In Israel entsteht ein Monopol für den Cyberkrieg

In Israel entsteht ein Monopol für den Cyberkrieg
Israelische Soldaten vor einem Bildschirm, auf dem die Markierungen eines Gesichtserkennungsprogramms zu sehen sind, Be'er Scheva, Israel, 28. August 2017.
In Israel entsteht durch eine Firmenübernahme eines der weltweit größten Unternehmen für den Cyberkrieg. Israel gilt als Pionier der Cybertechnologie. Der Firma NSO wird vorgeworfen, ihre Spionagesoftware auch an Diktaturen zwecks Überwachung zu verkaufen. 
 
Zuerst berichtete das Wall Street Journal darüber, dass die NSO-Gruppe von der israelische Firma Verint Systems aufgekauft werde. Kostenpunkt: eine Milliarde Dollar. Die im Jahr 2009 gegründete Firma NSO verkauft Spionagesoftware an Regierungen und Geheimdienste und fokussiert sich auf das Abhören von Mobilfunktelefonen. Im Jahr 2014 wurde sie für 170 Millionen Dollar von dem Aktienfonds Francisco Partners übernommen.

Cyberabwehroperation beim Kommando der U.S. Army für Elektronische Kommunikation in der Einrichtung Aberdeen Proving Ground, Maryland, USA.

Der Fond übernahm anschließend auch die israelische Cybersicherheitsfirma Circle für 130 Millionen Dollar, welche sich auf Überwachung und Ortung mit Hilfe von Mobilfunkrufnummern spezialisiert hat. NSO und Circle wurden von dem Fond zusammengeführt. Verint wird beide Firmen übernehmen. Francisco Partners würde bei einem Zustandekommen des Geschäfts zu einem Anteilseigner von Verint werden.

Israel gilt als Start-up-Zentrum für Cybertechnologie und als Pionier in der Entwicklung von Software für den Cyberkrieg. Im vergangenen Jahr wurden 60 neue Cybersicherheitsfirmen gegründet, 2016 waren es sogar 83 Neuründungen. 2017 wurden finanzielle Mittel in Höhe von 847 Millionen Dollar für die Start-ups gesammelt, 2016 waren es 689 Millionen Dollar. Die Firma NSO geriet in die Kritik, man warf dem Unternehmen 2016 vor, ihre Cyberkriegswaffen an Regime zu verkaufen, welche mithilfe der Programme etwa Menschenrechtsaktivisten und Journalisten verfolgen.


Der Menschenrechtler Ahmed Mansoor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt 2016 eine SMS, in der ihm "neue Erkenntnisse" zu Folter von Gefangenen in Gefängnissen der Vereinigten Arabischen Emirate versprochen wurden. Mansoor schickte die Nachricht zur Überprüfung an "Citizen Lab". Die Nachforschungen ergaben, dass die Inhalte der SMS Verbindungen zur NSO-Spionagesoftware aufwiesen. Hätte Mansoor den Link in der SMS angeklickt, so wäre auf seinem Mobilfunktelefon eine Software installiert worden, die Zugriff auf Mikrofon, Kamera, Bild- und Textdateien und eventuelle Messenger geboten hätte.

Die mexikanische Regierung soll die NSO-Software gegen Privatleute eingesetzt haben. Im Jahr 2012 unterzeichnete Mexiko mit der Firma einen Vertrag im Wert von 20 Millionen Dollar.

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